„Eigentlich“ – Das Schweizer Taschenmesser unserer Ausreden
Shownotes
„Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur selten dazu.“ – Dieser berühmte Satz von Ödön von Horváth trifft den Kern unseres Alltags: Wir wissen meistens genau, was wir tun sollten, wer wir sein wollen und was uns guttut – und doch schleicht sich immer wieder dieses eine kleine Wörtchen ein: Eigentlich.
In dieser Folge von „52 Gedanken zum Leben – nicht nur am Wochenende“ nimmt Rudolf X. Ruter das sprachliche Chamäleon „Eigentlich“ unter die Lupe. Warum ist es oft nur ein Vorwand oder ein elegant getarnter Verzicht? Was passiert mit unseren Vorsätzen, Gefühlen und Beziehungen, wenn wir dieses Wort einfach streichen und klar Stellung beziehen?
Machen Sie mit bei einem kleinen Selbstversuch für mehr Entschlossenheit, Klarheit und Achtsamkeit im Alltag.
In dieser Folge erfahren Sie: Warum das Wort „Eigentlich“ wie ein Schweizer Taschenmesser für kleine Ausreden funktioniert.
Wie sich Aussagen über Absichten, Zufriedenheit und Gefühle verändern, wenn man „Eigentlich“ weglässt.
Warum sprachliche Präzision zu mehr Mut und Handlung führt.
Ein praxisnaher Impuls für Ihren Alltag: Wie Sie sich selbst ertappen und ins Tun kommen.
https://mentoren-verlag.de/werke/52-gedanken-zum-leben-das-buch/
Transkript anzeigen
00:00:00: Willkommen bei zweiundfünfzig Gedanken zum Leben, dem Impuls-Podcast von Rudolf Exrouter.
00:00:07: Gedanken über Werte, Haltung und die kleinen Dinge, die unser Leben prägen – ein kurzer Moment zum Innerhalten weiterdenken und
00:00:16: bewusster leben!
00:00:19: Liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhärer, liebe Leser, liebe Leserinnen!
00:00:24: Wo immer sie stehen sitzen oder liegen und eingeschaltet haben ich begrüße Sie ganz herzlich zu meinem Podcast Zweiundfünfzig Gedanken zum Leben, nicht nur am Wochenende.
00:00:34: Heute mit dem Gedanken eigentlich.
00:00:38: Eigentlich wollte ich diesen Podcast gar nichts machen.
00:00:41: Merken Sie etwas?
00:00:42: Da ist es schon dieses kleine Wort eigentlich!
00:00:46: Eigentlich wollt' ich anrufen, eigentlich wollt' dich mehr Sport machen, eigentlich wollte ich früher ins Bett.
00:00:53: und natürlich der Klassiker – eigentlich bin ich ganz anders.
00:00:57: Der österreichisch-ungarische Schriftsteller Oedon von Horvath hat daraus einen wunderbaren Satz gemacht.
00:01:04: Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur selten dazu.
00:01:09: Ich finde in diesem Satz steckt fast das halbe menschliche Leben!
00:01:15: Wir wissen eigentlich wer wir sein wollen, wir wissen eigentlich was wir tun sollten und eigentlich wissen wir sogar ziemlich genau, was uns gut tun würde – nur Wir kommen so selten dazu.
00:01:28: Auch Tucholzki hat sich mit diesem merkwürdigen Wort beschäftigt, für ihn war eigentlich nicht einfach nur ein Wort sondern geradezu eine Lebensauffassung und das gefällt mir denn eigentlich ist ein sprachliches Kameleon.
00:01:43: es passt immer.
00:01:45: Es ist das Schweizer Taschenwässer unserer kleinen Ausreden.
00:01:49: Eigentlich wollte ich sie anrufen.
00:01:51: Streichen Sie nur einmal dieses eine Wort eigentlich und dann bleibt übrig, ich wollte sie anrufen.
00:01:58: Hoppla!
00:01:59: Schon wird aus einem freundlichen Absicht beinahe ein Geständnis oder eigentlich bin ich zufrieden?
00:02:07: Streichen wir es wieder.
00:02:08: heißt es Ich Bin Zufrieden?
00:02:11: Das klingt plötzlich ganz anders Und plötzlich werden wir mutiger.
00:02:17: Eigentlich liebe ich dich.
00:02:19: Werden mir nicht mehr sagen Sondern sagen eindeutig Ich liebe Dich Denn bei der Liebe ist sprachliche Präzision stets hilfreich.
00:02:29: Vielleicht sollten wir ohnehin öfter auf unsere kleinen Wörter achten, Sie verraten manchmal mehr über uns als die Großen.
00:02:38: Eigentlich kauft uns nämlich ein kleines bisschen vom Handeln frei – es klingt wie einen Vorsatz und ist manchmal eine elegant gekleidete Verzicht.
00:02:48: Probieren sie es deshalb heute mit in einem kleinen Selbstversuch aus!
00:02:53: Wenn Sie sich bei einem eigentlichen Tappen halten sie kurz inne.
00:02:58: Was bleibt übrig, wenn Sie dieses Wort streichen?
00:03:02: Aus.
00:03:02: Eigentlich wollte ich mein Leben ändern wird vielleicht Ich ändere etwas und aus.
00:03:08: Eigentlich Wollte ich dieses Buch schon längst lesen wird möglicherweise Ich kaufe es jetzt!
00:03:14: Sie sehen Sprache kann erstaunlich praktisch sein Und vielleicht ist das auch einer meiner Zweiundfünfzig Gedanken zum Leben.
00:03:23: Nicht immer reden, manchmal einfach ein Wort weniger, denken auch Sie darüber nach?
00:03:29: oder besser noch tun sie etwas damit.
00:03:32: Bis zu unseren nächsten Gedanken.
00:03:34: bleiben Sie neugierig, bleiben Sie heiter und kommen Sie ruhig öfter dazu der Mensch zu sein, der Sie eigentlich sind – eigentlich ganz einfach!
00:03:45: Das war ein Gedanke zum Leben von Rudolf Ex-Ruta.
00:03:50: Vielleicht begleitet er sie noch ein wenig durch den Tag?
00:03:54: Weitere Impulse finden Sie im Buch «Zweiundfünfzig Gedanken zum Leben».
00:03:59: Erschienen im Mentorenmediaverlag!
Neuer Kommentar